Vor der Bundestagswahl 2013 am 22. September startet das Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof in Zusammenarbeit mit dem „Big Data Analytics Research Lab“ der Goethe-Universität Frankfurt das Projekt politwi. Ziel des Forschungsprojekts ist es, frei verfügbare Tweets aus dem sozialen Netzwerk Twitter zu politischen Themen im Vorfeld der Wahl zu untersuchen. Hierbei werden die verwendeten Hashtags, das heißt ein Wort oder eine Zeichenkette mit vorangestelltem Doppelkreuz (#), analysiert. Anhand dieser Hashtags werden aktuelle Trends und neue Themen erkannt, jedoch ohne eine Wahlprognose abzugeben.
Die Bezeichnung politwi setzt sich zusammen aus den zwei Begriffen Politik und Twitter.
Die Forschungsgruppe „Analytische Informationssysteme“ des iisys um Prof. Dr. Jörg Scheidt und das „Big Data Analytics Research Lab“ der Goethe-Universität Frankfurt um Prof. Dott.-Ing. Roberto V. Zicari suchen im Rahmen des Projekts anhand von bestimmten Begriffen, wie Parteinamen (CDU, SPD, FDP etc.) oder den beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl von CDU und SPD (Angela Merkel und Peer Steinbrück), nach Tweets. Diese werden mit Hilfe von so genannten Text-Mining Methoden untersucht. Text-Mining ist die automatische Analyse textueller Daten zur Ermittlung ihrer Bedeutungsstrukturen. Die auf der Internetseite des Projekts dargestellten Ergebnisse geben ein allgemeines Stimmungsbild der Twitter-Gemeinde wieder. Insbesondere lassen sich aufkommende Themen und Diskussionen frühzeitig erkennen, denn oftmals zeigen sich neue Themen bereits kurz nach deren Verbreitung in Twitter. Werden viele Tweets zu einem neuen Thema geschrieben, ist dieses in den „Top-Themen der vorherigen Stunde“ aufgeführt.
Die Daten und Auswertungen der Internetseite werden fortlaufend aktualisiert: Die Anzahl der insgesamt analysierten Tweets wird dabei in Echtzeit dargestellt. Derzeit werden in politwi täglich rund 20.000 Tweets ausgewertet; mit Näherrücken der Wahl erwarten die Forscher einen deutlich Anstieg der Tweets. Sollten für einen Zeitraum einmal keine „Top-Themen“ erkannt werden, wird bei der betreffenden Liste darauf hingewiesen und es werden die „Top-Themen“ für einen vorherigen Zeitraum angezeigt. Dies tritt häufig in der Nacht und den frühen Morgenstunden auf, da hier weniger Tweets veröffentlicht werden.
Da in Twitter neue Themen sehr frühzeitig diskutiert werden, meist noch ehe andere Medien diese aufgreifen, können sich Interessierte durch politwi schnell ein Bild von den aktuellen politischen Themen machen. Darüber hinaus könnte der neue Dienst für Medienvertreter bei Recherchen interessant sein und Politbüros erhalten einen Überblick, welche Inhalte mit der eigenen Partei in Verbindung gebracht werden.
Auch für Folgeprojekte, über die Bundestagswahl hinaus, könnte die hinter politwi stehende Idee sowie Technik genutzt werden, um die Stimmung der Twitter-Gemeinde zu einem bestimmten Thema zu bündeln und zu analysieren. Interessierte können per E-Mail Kontakt zu den Forschungsgruppen aufnehmen.
Über das Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof
Das Institut für Informationssysteme ist die zentrale Forschungseinrichtung der Informatik an der Hochschule Hof. Es wird mit Mitteln des Freistaats Bayern, der Oberfrankenstiftung und der Europäischen Union finanziert. Die Forschungsarbeiten des Instituts konzentrieren sich aktuell auf integrierte Informationssysteme zur Unterstützung betrieblicher Geschäftsprozesse.
Über das „Big Data Analytics Research Lab“ der Goethe-Universität Frankfurt
Ziel des „Big Data Analytics Research Lab“ am DBIS ist die Bündelung der Forschungsaktivitäten im Bereich der Datenanalyse aus Sicht der Informationssysteme und der Informatik. Dieser Ansatz basiert auf der interdisziplinären Verbindung von Daten-Management-Technologien und Daten-Analyse.