So stieg die Zahl der dual Studierenden in Bayern gegenüber 2011 um ca. 20 % auf rund 4.100, und auch an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend. Waren es im Jahre 2007 noch 112 Studierende, so studierten 2011 bereits 533 junge Menschen in dualen Studienvarianten. Auch die Anzahl der Firmen, die sich für diese gemeinsam mit dem OHM durchgeführte Ausbildungsvariante interessierten, stieg von elf Firmen im Jahre 2008 auf 191 im Jahr 2012. Für Mittelfranken sind bei der IHK Nürnberg insgesamt 900 Azubistudierende bei 125 Unternehmen registriert.
Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch zeigt sich erfreut über diese starke Nachfrage: "Das duale Studium ist ein Erfolgsmodell für alle Beteiligten: Den Studierenden bietet sich die Chance auf einen optimalen Berufseinstieg und die Unternehmen gewinnen frühzeitig qualifizierten Nachwuchs an Fach- und Führungskräften mit intensiver Praxiserfahrung. Zudem findet ein intensiver Wissensaustausch zwischen den Hochschulen und den kooperierenden Unternehmen statt. Die positive Resonanz auf das duale Studienmodell an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule und den anderen Hochschulen Bayerns zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Deshalb werden wir das duale Studium auch auf den Masterbereich ausdehnen und über die bayerischen und deutschen Grenzen hinaus ausbauen."
Duale Studienmodelle auf Erfolgskurs bei Unternehmen und Studierenden
Immer mehr Unternehmen wünschen sich Spitzenkräfte sowohl mit wissenschaftlichem Know-how als auch mit einem breiten Praxiswissen. Und auch viele junge Menschen suchen bei ihrer Ausbildung gezielt die enge Verbindung von Theorie und Praxis und entscheiden sich für ein duales Studium an einer bayerischen Hochschule für angewandte Wissenschaften. Durch den großen Praxisanteil lernen sich Unternehmen und Studierende zudem gut kennen, so dass ein fließender Übergang vom Studium in ein Arbeitsverhältnis bei gleichzeitig hervorragenden Karrierechancen möglich wird. In Bayern werden die über 320 dualen Studienangebote von hochschule dual, einer 2006 gegründeten Initiative der Hochschule Bayern e.V., koordiniert. "20 Hochschulen für angewandte Wissenschaften und über 800 Unternehmen in Bayern kooperieren miteinander," erläutert Miriam Weich, Geschäftsführerin von hochschule dual. Auch die Anzahl der Studierenden kann sich sehen lassen. Im Wintersemester 2011/2012 gab es rund 4.100 dual Studierende, eine Steigerung von mehr als 20 % gegenüber dem Vorjahr und eine Versechsfachung gegenüber dem Gründungsjahr von hochschule dual. Am beliebtesten sind die Ingenieurwissenschaften, gefolgt von den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Auch für das Wintersemester 2012/13 rechnet hochschule dual wieder mit einem Zuwachs von rund 20 %.
Nach dem großen Erfolg der dualen Bachelorstudiengänge gaben die Präsidenten der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften im Juni 2012 den Startschuss für den dualen Master, ein Studienangebot mit vertiefter Praxis, mit dem Bachelorabsolventinnen und -absolventen ihre akademische Karriere fortsetzen können.
"Mit dem dualen Master reagieren wir genau zum richtigen Zeitpunkt auf die Nachfrage einer immer größer werdenden Zahl von Studierenden und Unternehmen, auch das Masterstudium im Verbund mit einer Firma zu absolvieren", so der Vorsitzende von Hochschule Bayern, Prof. Dr. Michael Braun. "Große Praxisnähe, finanzielle Unterstützung und hervorragende Entwicklungsperspektiven im Unternehmen - das sind starke Vorteile des dualen Studiums, die die Hochschulen in Zusammenarbeit mit Firmen von nun an auch auf Masterebene bieten."
Verbundstudium und Studium mit vertiefter Praxis
Wer sich für ein duales Studium entscheidet, hat die Wahl zwischen zwei Studienmodellen: Beim Verbundstudium werden sowohl ein akademischer Hochschulabschluss als auch ein Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb erworben. Die Idee dabei ist, eine Berufsausbildung und ein Studium so zu verzahnen, dass in kurzer Zeit - in der Regel sind das viereinhalb Jahre - beide Bildungsabschlüsse erworben werden können, und dies ohne Abstriche an den Anforderungen von Ausbildung und Studium. Es werden also genau dieselben Prüfungen an der Hochschule und genau dieselben beruflichen Prüfungen im Verbundstudium absolviert, wie wenn man beides nacheinander machen würde.
Beim Studium mit vertiefter Praxis liegt der Schwerpunkt auf dem Studium verbunden mit wertvollen und intensiven Praxiserfahrungen in einem Unternehmen. Es eignet sich auch für Studiengänge, in denen es keine passende Berufsausbildung gibt. Entscheidet man sich für einen Einstieg ab dem ersten Semester, beginnt man gleichzeitig mit dem Studium und einer Werkstudententätigkeit. Die Semesterferien und das Praxissemester werden im Förderunternehmen verbracht, so dass wichtige Hard- und Softskills erworben werden.
Eine besondere Variante des Studiums mit vertiefter Praxis ist das I.C.S-Fördermodell, bei dem zunächst mit dem Studium begonnen wird. Besonders erfolgreiche Studierende können im dritten Semester von ihrer Fakultät für ein Stipendium vorgeschlagen werden. In einem dem Fördermodell angeschlossenen Unternehmen durchlaufen die Stipendiatinnen und Stipendiaten sodann intensive Praxisphasen und schreiben dort ihre Abschlussarbeit. Initiator dieser Studienvariante ist der Förderverein I.C.S. e.V.
Stärkung der Regionen
Von den mit dem OHM kooperierenden Unternehmen kommen bei einem Verbundstudium 85 % aus Mittelfranken, beim Studium mit vertiefter Praxis sind es ca. 50 %. "Durch die enge Kooperation zwischen der Ohm-Hochschule und den zahlreichen Unternehmen wird die Innovationskraft der Region entscheidend gestärkt," freut sich der Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Dirk von Vopelius, "zudem wird die Abwanderung von hoch qualifizierten Fachkräften durch die enge Bindung zum ausbildenden Unternehmen vermindert." Aufgrund der starken Firmennachfrage plant der Koordinator für Verbundstudiengänge der IHK Nürnberg, Gerd Reinert, mit Unterstützung der Ohm-Hochschule die Einrichtung einer Sonderklasse Fachinformatiker an der Berufsschule 3 in Fürth.
Duale Studienmodelle am OHM
18 Studiengänge können an der Ohm-Hochschule im Verbundmodell studiert werden, 16 Studiengänge mit vertiefter Praxis, Tendenz steigend. So kommen 2012 bei beiden dualen Studienvarianten die Studiengänge International Business und International Business and Technology hinzu. Die Studierendenzahlen verfünffachten sich von 112 im Jahre 2007 zu 533 im Jahre 2011. Nach dem ICS-Modell werden derzeit 44 Studierende mit monatlich 800 bis 900 Euro gefördert.