Positionspapier Zukunft Pflege

Zukunft Pflege: praxisnah und innovativ

Reform der Pflegestudiengänge nach dem Pflegeberufereformgesetz

Präambel
Mit Blick auf den kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung ist weiterhin von einem zunehmend wachsenden Fachkräftemangel in der Pflege auszugehen.1 Zugleich gestalten sich die Aufgaben durch hochkomplexe Pflegebedarfe, durch neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten sowie durch den technischen Fortschritt anspruchsvoller. Auch die Digitalisierung, beispielsweise in der Erfassung, Speicherung und Auswertung von Daten zur Unterstützung diagnostischer und pflegerischer Entscheidungen hat zu eklatanten Veränderungen im Gesundheitswesen geführt. Dies bedarf  entsprechender Anpassungen in der Ausbildung von Pflegefachkräften. Der Wissenschaftsrat hat eine Empfehlung zur Akademisierung der Pflegeberufe ausgesprochen, die durch die laufende Gesetzesreform nun umgesetzt wird. Quantitativ ergibt sich bei der vom Wissenschaftsrat 2012 empfohlenen Akademisierung von 10-20 % eines Ausbildungsjahrgangs in den Gesundheitsberufen 2 eine Zahl von bundesweit mindestens 5.000 Studierenden pro Jahrgang in der akademischen primärqualifizierenden Pflegeausbildung. Dem Bedarf an wissenschaftlich ausgebildeten Pflegepersonal wird angesichts der gesellschaftlichen und technischen Herausforderungen im Bereich der Pflege damit die notwendige Beachtung gezollt.

Es gilt, die vielfältigen  Bedürfnisse  Pflegebedürftiger aufzugreifen, zu erforschen und geeignete wissenschaftsbasierte Konzepte in einen innovationsfähigen Pflegealltag zu überführen. Dies ist nur über einen praxis- und anwendungsorientierten Feldzugang und eine sich wechselseitig bereichernde Kombination aus Forschung und Lehre möglich.

Aktuelle Situation
Das Pflegeberufereformgesetz (PflBRefG) soll planmäßig bereits frühestens zum 01.01.2019 in Kraft treten. Das Gesetz formuliert in Teil 3 auch die Voraussetzungen für ein berufsqualifizierendes Pflegestudium ergänzend zur beruflichen Ausbildung. Dabei sieht das Gesetz ein mind. dreijähriges Studium an Hochschulen vor, das mit der Verleihung des akademischen Grades abschließt. Bestehende duale Studienangebote erfüllen die durch die Generalistik festgelegte Berufsqualifikation nicht und sind daher durch die Reform der Pflegeausbildung nicht betroffen. Parallel zu den  neu einzurichtenden primärqualifizierenden Studiengängen können und werden auch weiterhin duale Studienangebote und berufsbegleitende (Weiterbildungs-)Studiengänge und Zertifikatsangebote angeboten. Es ist von einer weiteren Ausdifferenzierung der Studienangebote auszugehen.
 

Gemeinsame Positionen von Hochschule Bayern

1. Pflegestudiengänge an HAWs – Praxisnähe und Expertise nutzen
Primärqualifizierende Pflegestudiengänge entsprechen vollumfänglich dem praxis- und anwendungsorientierten Profil der Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Die HAWs haben die zukünftige Bedeutung von Studienangeboten im Bereich der Pflege frühzeitig erkannt und bieten hier vielfältige und innovative Studiengänge sowie Weiterbildungsangebote. Somit kann und sollte auf ein vorhandenes Erfahrungswissen sowie bestehende Kooperationen und Transferstrukturen in diesem Bereich aufgebaut werden. Eine Etablierung primärqualifizierender Pflegestudiengänge an Hochschulen für angewandte Wissenschaften entspricht vollumfänglich der    bewussten Differenzierung und Profilbildung der Hochschularten mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen.

2. Studienangebote vor Ort – Bestehende Kooperationen nutzen
Insbesondere vor dem Hintergrund der durch die Reform der Pflegeausbildung eingeleiteten und zum Teil herausfordernden Entwicklungen bei der Gestaltung der Kooperation mit Gesundheitseinrichtungen sollte der hohen Bedeutung bestehender regionaler Bezüge große Achtung gezollt werden. Weiterhin zeigen die Erfahrungen aus dualen Pflegestudiengängen, dass die zu erwartende Studierendenschaft in der Regel wenig mobil und somit in besonders hohem Maße regional verankert ist. Ein entsprechendes Studienangebot gilt es daher auch in die Fläche zu bringen. Die Möglichkeiten und Chancen digitaler Lehrangebote sollten hierfür von Anfang an in hohem Maße genutzt werden.

3. Solide Finanzierung– Investitionen für die Zukunft
Eine Etablierung primärqualifizierender Studiengänge an HAWs bedarf einer Anschubfinanzierung für deren Entwicklung und Einführung als auch einer nachhaltigen und somit soliden Finanzierung dieser neuen Studienangebote. Eine Anknüpfung an bereits vorhandene Expertise an einzelnen Hochschulen erscheint unumgänglich. Dies gilt es bei der Angebotsgestaltung zukünftiger Studienmodelle zu beachten.


1 Das Statistische Bundesamt ging 2010 von einer Lücke von bis zu 200.000 Pflegefachkräften im Jahr 2025: Statistisches Bundesamt (2010): Projektionen des Personalbedarfs und -angebots in Pflegeberufen bis 2025

2 Wissenschaftsrat (2012): Empfehlung zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen

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