Hochschule Bayern – Hochschulen der Zukunft

Zukunftsweisende Positionierungen

Hochschule Bayern hat sich auf der Sommerklausur 2012 mit den Zukunftsperspektiven der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) befasst, vier Handlungsfelder der weiteren strategischen Entwicklung identifiziert sowie gemeinsame Ziele und Maßnahmen vereinbart.

Präambel

Die HAW haben sich in den vergangenen Jahren spätestens seit der Reform des Hochschulgesetzes 2006 und im Zuge der steigenden Studierendenzahlen rasant weiterentwickelt und das Profil sowie das Volumen dieses praxis- und anwendungsorientierten Hochschultyps zukunftsgerecht ausgebaut. Die Studienanfängerzahlen blieben auch im WS 2012/2013 auf dem hohen Niveau von 2011, dem Jahr des doppelten Abiturjahrgangs - ein Zeichen der hohen Attraktivität der HAW. Jetzt sind mehr als 100.000 Studierende an Bayerns HAW eingeschrieben. Das große Interesse und die hohe Akzeptanz der Bachelor- und Masterabschlüsse durch die Arbeitgeber belegt eindrucksvoll, dass die HAW in Bayern die Weichen für ihre strategische Weiterentwicklung richtig gestellt haben. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Freistaats Bayern.

Es gilt für Hochschule Bayern auch weiterhin, das Profil der Hochschulen für angewandte Wissenschaften zu schärfen und die Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen aktiv zu begleiten. Dabei kommt den HAW eine Schlüsselfunktion zu. Der drohende Fachkräftemangel, die Folgen der Globalisierung, der Demografiewandel  und die steigenden Ansprüche an jeden Einzelnen in bestehenden und neuen Berufsfeldern verlangen das volle Engagement und die Innovationskraft starker Hochschulen.

Wachstumsstrategie

Das Konzept der praxis- und anwendungsorientierten Lehre und Forschung gewinnt aufgrund der folgenden beiden Faktoren zunehmend an Bedeutung: Zum einen nimmt angesichts der steigenden Diversität der Studierenden die Sicherung der qualitativ hochwertigen Lehre eine zunehmend wichtige Rolle ein. Die Professorinnen und Professoren an den HAW bringen neben ihrer wissenschaftlichen Qualifikation auch Erfahrungen aus ihrer mehrjährigen Berufspraxis in die Hochschullehre ein. Sie erhalten nach ihrer Berufung zudem eine ausgiebige didaktische Schulung, die auf die moderne Vermittlung fachspezifischer Wissensformen ausgerichtet ist. Mit diesem Erfahrungswissen, dem didaktischen Instrumentarium und mit einer angemessenen Ausstattung wird die Qualität des Studiums gesichert. Unterschiedliche Studienformate (Vollzeitstudium, duales Studium, berufsbegleitende Studiengänge, Weiterbildungsangebote, englischsprachige Studiengänge und -module) ergeben passgenaue Studienmöglichkeiten für die Studierenden. In der Entwicklung der Lehrangebote muss zudem auf die wachsende Diversität der Studierenden (Alter, Bildungshintergrund, Internationalität) Rücksicht genommen werden, um sie unter Beibehaltung hoher Qualitätsstandards zu einem erfolgreichen Studienabschluss zu führen.

Zum anderen fordert die Wirtschaft zu Recht eine bedarfsgerechte Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung bestehender Studienangebote, ebenso neue Studienangebote, die auf die Bedarfssituation der Unternehmen ausgerichtet sind. Die HAW bedienen bereits heute mit ihren praxisorientierten, berufsqualifizierenden Studiengängen die Anforderungen der Arbeitgeber. Der Bachelor-Abschluss der HAW ist berufsqualifizierend und wird hervorragend von den Arbeitgebern angenommen. Ständig kommen weitere innovative Studienfelder wie beispielsweise die Gesundheitswissenschaft hinzu.

Hochschule Bayern möchte die erfolgreich eingeschlagene Wachstumsstrategie auch in den kommenden Jahren weiter verfolgen. Wir empfehlen, kurzfristig weitere 10.000 Studienplätze an den HAW zu schaffen. In den Bereichen Angewandte Mathematik und Naturwissenschaften, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Human- und Gesundheitswissenschaften besteht ein deutliches Ausbaupotential. Auch ein Einstieg in die Erziehungswissenschaften z.B.  im Vorschulbereich und in der Berufsschullehrerausbildung wäre sinnvoll. Mittelfristig gilt es, bis 2020 das postulierte Ziel einer Studierendenquote von 40 % an den HAW zu realisieren. Damit soll auch ein Beitrag geleistet werden, die Akademikerquote, die in Bayern mit einem Anteil von 28,3 % eines Jahrgangs (Stand 2010) immer noch um 5 % unter dem Bundesdurchschnitt liegt, zu steigern. Zugleich sollte ein kräftiger Ausbau der Masterprogramme an den HAW erfolgen.

Handlungsfelder und Forderungen für die Hochschulen der Zukunft

  • Wachstumsstrategie
    Hochschule Bayern befürwortet einen vorrangigen Zuwachs der in Bayern dringend benötigten Akademiker und Fachkräfte über höhere Lehrkapazitäten an den HAW.
  • Forschungsstrategie
    Hochschule Bayern spricht sich klar für eine Stärkung der angewandten Forschung und Entwicklung aus, die auch mit einer aufgabenorientierten finanziellen, räumlichen und personellen Ausstattung einhergehen muss. Hochschule Bayern garantiert, z.B. durch die gemeinsamen Qualitätsstandards für Forschungsprofessuren, die Orientierung an internationalen Standards für Forschung und Wissenschaftlichkeit.
  • Internationalisierungsstrategie: "Fachkräfte für uns und die Welt"
    Hochschule Bayern setzt sich für eine Fokussierung zukünftiger Internationalisierungsmaß- nahmen auf die Studierenden- und Dozentenmobilität, für die Gestaltung qualifizierter Zuwan- derung und damit für die Berücksichtigung der spezifischen Leistungsfähigkeit der HAW ein.
  • Aufgabengerechte Hochschulfinanzierung
    Hochschule Bayern plädiert für eine angemessene Grundfinanzierung aller gesetzlichen Aufgaben der HAW nach dem Bayerischen Hochschulgesetz, die sich an der Finanzierung der bayerischen Universitäten im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt orientiert. Die innovativen Masterprogramme sowie die Forschungsanstrengungen der HAW benötigen zudem dringend eine solide Ausfinanzierung. 
    Der Anteil der Studienbeiträge am Gesamthaushalt der HAW beträgt derzeit 10-15 Prozent. Um die erreichte Qualität in der Lehre auch weiterhin gewährleisten zu können, müssen zusätzliche Einnahmen in der Höhe der Studienbeiträge den Hochschulen weiterhin zur Verfügung stehen.
  • Fazit

Forschungsstrategie

Seit 2006 ist die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung eine gesetzlich verankerte Aufgabe der bayerischen HAW. Mit der Einführung der Forschungsprofessuren ist ein erster, wichtiger Schritt zur institutionalisierten Implementierung der Forschung an den HAW gelungen. Hochschule Bayern hat als erstes Gremium bindende Kriterien für qualitätsgesicherte Forschungsprofessuren formuliert und sich damit klar an internationalen Standards für Forschung und Wissenschaftlichkeit orientiert.

Durch das Engagement der bayerischen HAW in der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung und dank ihrer vielfältigen Kooperationen mit mittelständischen Unternehmen gelten die HAW als die Motoren der Regionalentwicklung. Sie leisten damit einen unersetzlichen Beitrag gegen die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Fachkräfte in die Ballungsräume und in andere Bundesländer. Die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen, insbesondere mit KMU führt auch zu einer frühen Integration von praxisorientierten Inhalten im Studium. Andererseits stärken die HAW durch ihre unternehmensnahe angewandte Forschung und Entwicklung die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Unternehmen. An vielen Stellen in Bayern sorgen insbesondere die Technologietransferzentren der HAW für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Internationalisierungsstrategie: "Fachkräfte für uns und die Welt"

Bayerns HAW sind regional verwurzelt und international vernetzt. Die Internationalisierungs- strategie der HAW beinhaltet eine Steigerung der Studierendenmobilität. Damit verbunden ist als Bestandteil des Studiums die Vermittlung interkultureller Kompetenzen mit dem Ziel, die Absolventinnen und Absolventen zielgerichtet für den internationalen Arbeitsmarkt und die globalen Märkte vorzubereiten.

Zum einen sollen inländische Studierende während ihres Studiums Erfahrungen im Ausland durch theoretische oder praktische Auslandssemester erwerben. Dies wird zielgerichtet durch eine entsprechende Gestaltung der Rahmenbedingungen gefördert. Die Empfehlungen der Bildungsminister im Bologna-Prozess sehen dabei vor, dass mindestens jeder fünfte Student / jede fünfte Studentin ein Auslandssemester absolviert haben sollte. Dieses Ziel wird auch seitens der HAW verfolgt.

Zum anderen wird parallel dazu auch die Akquise international Studierender in grundständigen Bachelor- und Masterstudiengängen verstärkt. Maßnahmen zur Auswahl geeigneter Studieninteressierter und deren Vorbereitung auf das Studium in Bayern sollten ausgebaut und intensiviert werden, z.B. durch die Errichtung bayerischer Hochschulcampi im Ausland. Das Projekt "hochschule dual international" ist ein wichtiger Baustein für die Akquise internationaler Studierender und sollte durch weitere Maßnahmen flankiert werden. Um ein erfolgreiches Studium in Bayern zu ermöglichen, sollten ausländische Studierende während der Phase des Ankommens an einem bayerischen HAW Standort unterstützt und schnell integriert werden.

Während universitäre Internationalisierungsstrategien sich typischerweise auf die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchs und den Ausbau internationaler Forschung durch die Förderung der Mobilität von Wissenschaftlern konzentrieren, setzen die HAW den Schwerpunkt auf die Kooperation mit Unternehmen und die anwendungs- und praxisorientierte Bildung zukünftiger in- und ausländischer Fachkräfte, die auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden.

Aufgabengerechte Hochschulfinanzierung

Die bayerischen HAW freuen sich über den öffentlichen Eindruck von starken, wettbewerbs- fähigen und erfolgreichen bayerischen Hochschulen. Dennoch geben einige Daten und Fakten hinsichtlich ihrer Finanzierung Anlass zur Sorge. Insbesondere die Grundfinanzierung der Hochschulen ist im bundesweiten Vergleich nicht gut. Sie droht zu verhindern, dass die bayerischen Hochschulen ihre positive Wirkung auch in Zukunft weiter entfalten, ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen, ihr Potential vollständig ausschöpfen und die von ihnen erwartete gesellschaftliche Rolle spielen können.

Investitionen in Bildung erzeugen einen deutlichen Hebeleffekt für zukünftige Steuerein- nahmen. Zurückhaltung bei Investitionen wie Bildung, Weiterqualifizierung sowie Forschung und Entwicklung schädigt auf lange Sicht das Wohlstands- und Wachstumspotential reicher Volkswirtschaften.

Daher benötigen die HAW eine aufgabengerechte finanzielle Ausstattung. Im Moment erhalten die bayerischen HAW pro Student derzeit jedoch nur etwa ein Drittel der Grundmittel der bayerischen Universitäten. Damit liegen die bayerischen HAW mit 13 % deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im langfristigen Trend öffnet sich die Schere zwischen den bayerischen Universitäten und den HAW immer mehr - ein für das Bildungsland Bayern nicht mehr hinnehmbares Missverhältnis.

Der Anteil der Studienbeiträge am Gesamthaushalt der HAW beträgt derzeit 10-15 Prozent. Sie tragen als ungebundene Mittel erheblich zur Verbesserung der Lehre und der Studienbe- dingungen an den HAW bei. Um die erreichte Qualität in Lehre und Studium auf jeden Fall sicher stellen zu können, müssen Einnahmen in Höhe der Studienbeiträge den Hochschulen weiterhin zur Verfügung stehen.

Fazit

Die HAW haben sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt und leisten einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Bayerns. Investitionen in die HAW führen zu einem ca. 10-fachen Rückfluss in Form von zusätzlichem Steueraufkommen und Beiträgen zu den Sozialsystemen. Die absolute Wirkung der HAW könnte also noch weit größer sein, wenn ihnen die dafür erforderlichen Mittel und Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden würden.

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