Drängende Forderungen der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften an die Politik

Im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung stellten die Präsidentinnen und Präsidenten der bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften dem neuen zuständigen Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium Schoppik ihre konkreten politischen Forderungen vor. Bis 2025 sollen die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften bundesweit zu den besten Hochschulen für praxisorientierte akademische Qualifizierung, angewandte Forschung und Transfer von Innovationen in die Gesellschaft gehören.

Die bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) nehmen in der Hochschullandschaft des Freistaates schon heute eine bedeutende Funktion ein. Insbesondere im Bereich der angewandten Forschung und dem Transfer konnten sie sich bereits erfolgreich positionieren. Herauszuheben ist auch deren Stärke im Transfer, was u.a. durch die vielen erfolgreichen Anträge im bundesweiten Wettbewerb „Innovative Hochschule“ zum Tragen kommt. Jedoch liegen die bayerischen HAWs bei den laufenden Ausgaben für Lehre und Forschung je Studierenden im Bundesvergleich nur an 8. Stelle, bei den laufenden Ausgaben je Professor unter dem Bundesdurchschnitt auf dem 9. Rang. Hinsichtlich der Personalrelation zwischen wissenschaftlichem Personal und Professoren erreicht Bayern sogar nur einen 10. Platz. Die Zahlen zeigen, dass die bayerischen HAWs unter teilweise herausfordernden Bedingungen ihren umfangreichen Aufgaben gerecht werden müssen und die Ressourcenausstattung weiter hinter den quantitativen und qualitativen Entwicklungen der Hochschulen zurückblieb. Um den HAWs zu ermöglichen, diesen gestiegenen Belastungen vollumfänglich nachzukommen und dieses Defizit zur Spitze auszugleichen, ist die strategische Weiterentwicklung in insbesondere drei Handlungsfeldern zwingend erforderlich.

Notwendiger Ausbau der grundfinanzierten Forschung

Das bayerische Hochschulgesetz weist den HAWs anwendungsbezogene Forschung als zentrale Aufgabe zu. Innovationsorientierte Forschung sowie der Transfer von Wissen in die Gesellschaft erfordern jedoch eine entsprechende Grundfinanzierung von forschenden Professorinnen und Professoren. Zum anderen muss auch das bisher fast ausnahmslos aus Drittmitteln finanzierte wissenschaftliche Personal einen Sockel an grundfinanzierten Stellen erhalten.

Dem Ausbau des Bachelors müssen Masterplätze folgen

Mit der Steigerung der Studienanfängerzahl von rund 14.000 in 2006 auf mittlerweile knapp 25.000 Studierende haben die bayerischen HAWs ihre Ziele deutlich übererfüllt. Auch konnte der Bachelor-Abschluss der HAWs als berufsqualifizierender Abschluss am Arbeitsmarkt etabliert werden. Dennoch muss der Masterbereich angesichts der gestiegenen Anforderungen in vielen Berufsfeldern ausgebaut werden. Ziel ist es, bis 2025 ein Verhältnis von 80:20 zwischen Bachelor- und Masterstudierenden zu erreichen. Damit stünde in etwa für jeden zweiten Bachelor-Absolventen ein Masterstudienplatz zur Verfügung. Auch der gezielte Ausbau der dualen Studienangebote stellt ein strategisches hochschulpolitisches Ziel dar.

Erforderliche Investitionen in der Digitalisierung

Mit Bayern Digital II hat die bayerische Staatsregierung ein umfangreiches Digitalisierungsprogramm aufgelegt. Die Hochschulen sind als Innovationsgestalter für eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung prädestiniert. Damit die Hochschulen neue Maßstäbe in der digitalen Bildung setzen können, müssen nachhaltige Investitionen in Infrastruktur und Personal folgen. Die Hochschulen benötigen eine verbesserte Infrastruktur und Ressourcen, die es ermöglichen, digitale Lehr- und Lernelemente sowie Prüfungselemente flächendeckend erstellen zu können. Auch die Digitalisierung der Forschung, beispielsweise durch die Optimierung von Forschungsdatenbanken und der Ausbau der Bibliotheken zu digitalen Medien- und Lehr-/Lernzentren, ist notwendig.

Um den gestiegenen Belastungen nachkommen und das Defizit zur Spitze ausgleichen zu können, benötigen die Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Bayern dauerhaft zusätzliche grundfinanzierte Mittel. Dadurch wären umfassende positive volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte zu erwarten. Diese resultieren u.a. aus Arbeitseinkommen der an Hochschulen Beschäftigten, der gestiegenen Nachfrage nach Dienstleistungen sowie der Konsumnachfrage der Studierenden. Zudem sind Hochschulen selbst wirtschaftlicher Akteur, etwa als Arbeitgeber oder als Nachfrager von Forschungsgeräten und Baudienstleistungen. Darüber hinaus sind HAWs auch Ort sozialer Innovationen und sorgen für erhebliche regionale Verstärkungseffekte bei Wirtschaftskraft und Beschäftigung.

Christian Schoppik, zuvor Abteilungsleiter Grundsatzfragen in der Staatskanzlei, hat sein Amt als für die HAWs zuständiger Abteilungsleiter im Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst im April angetreten. Im Gespräch mit den Präsidentinnen und Präsidenten verwies dieser auf den hohen Stellenwert der HAWs als Rückgrat der Wirtschaft. Angewandte Forschung sei demnach das entscheidende Kriterium zur Nachwuchsgewinnung, die HAWs für die Bewältigung des Fachkräftemangels von maßgeblicher Bedeutung. Die Forderungen der Hochschulen gilt es nun zeitnah auch an die neue bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Marion Kiechle, heranzutragen. Zugleich bedankt sich Hochschule Bayern e.V. beim bisherigen Amtsinhaber Dr. Ludwig Spaenle für die gute Zusammenarbeit. Gemeinsam gelang es, wesentliche Weichen für eine positive Entwicklung der bayerischen Hochschulen zu stellen.

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